Der Krimi – oder auch Épreuve B (Sélectif B) in Matzenheim

PrüfungenPublished Juni 20, 2011 at 18:33 1 Comment

Man sollte sich im Vorfeld Gedanken über mögliche Aufgabenstellungen einer Prüfung machen und sich überlegen, ob der Hund bereits im Stande ist, diese zu lösen. Laut Prüfungsordnung schien die Épreuve B dadurch machbar: Jeweils zwei Markierungen aus der 3er Line – davon eine in hohen und eine in niedrigen Bewuchs,. Distanz laut Beschreibung ca. 30-40m. Dann eine Wasseraufgabe mit einer Doppelmarkierung mit Verleitmarkierung nach dem 2. Dummy. Eine Nachsuche einer warmen Taube und ein Unterordnungsfach, bei dem der Hund ca. eine Minuten abgesetzt und dann abgerufen wird, wobei auf dem Rückweg ein Schuss abgegeben wird. So weit, so gut. Dass die Realität etwas anders aussieht, wurde mir dann eigentlich erst zwei Wochen vor der Prüfung bewusst, denn die Schwierigkeit der Épreuve liegt letztlich im Gelände und an der Umsetzung, die durch den Richter festgelegt wird. Die Ausführung der Aufgaben ist nämlich durchaus weit interpretierbar, so dass die Distanzen je nach Wind auch schonmal an die 80-100m gehen können und dazu die Winkel der Marks so eng sind, dass es sich eher um eine O-Klasse als eine A-Klasse handelt. Doch ein wenig zu viel für einen 15 Monate alten Hund… aber probieren wollten wir es trotzdem, manchmal hat man ja auch etwas Glück. Mit Glück hatte die Prüfung dann letztlich weniger zu tun, vielmehr mit harter Arbeit, aber von vorne.

Etwas hektisch fing der Tag für mich an, weil mein Navi unerklärlicherweise mehrfach im Vorfeld die falsche Fahrtzeit berechnet hatte und am Tag der Prüfung dann die Fahrtzeit doch etwas länger war, als ich es auf dem abgespeicherten Schirm hatte. Es wurde morgens eng, die komplette Bagage mit Hunden und Kindern ins Auto zu verfrachten. 15 Minuten zu spät erschienen wir in Matzenheim, wo ich zu meiner Erleichterung feststellte, dass die Franzosen um einiges gelassener sind und man noch nicht einmal mit der Anmeldung fertig war. Also gab auch ich meine Papiere ab und harrte der Dinge, die da kommen. Wir mußten lange (sehr lange!) warten (zum Glück in sehr netter Gesellschaft!), genauer gesagt bis 16 Uhr, bevor wir endlich an der Reihe waren. Da man nie weiß, wann man genau dran ist, konnte man auch nie richtig abschalten oder den Hund nochmals ins Auto bringen. Ich befürchtete, dass Pitchs Konzentration durch den ganzen Tag darunter gelitten haben könnte, aber kneifen gilt bekanntlich nicht.

Los ging es mit der ersten Aufgabe: Wasserapport von zwei Dummies. Die beiden Dummies wurden mit Dummylauncher mit einem Abstand von ca. 15m ins Wasser geschossen. Die Schwimmdistanz betrug ca. 30-40m. Auf Freigabe schickte ich ihn auf das zuerst geschossene Dummy, da die Strömung durch den starken Wind recht ordentlich war und so das zweite Dummy in Richtung Erstes trieb. Die Taktik ging auf. Auf dem Rückweg des zweiten Apports wurde eine Verleitmarkierung ca. 5m vor Pitch geworfen. Die fand er doch sehr interessant, so dass ich doch ein ‚Nein‘ rufen mußte. Er kam aber postwendend. Erste Aufgabe geschafft.

Weiter ging es mit der Bammelaufgabe, die einige Gespanne zuvor scheitern ließ. Besonders für den dritten Hund in der Line kann die Aufgabe tükisch werden. Der Wind ging in starken Böen. Bei dieser Aufgabe stehen drei Teams in einer Line mit jeweils ca. 5-8m Abstand zueinander. Es wurde zunächst für das erste Team eine Markierung mit Dummylauncher in den niedrigen Bewuchs geschossen, anschließend drehte man sich um 180 Grad und die nächste Markierung ging in den Wald. Durch den starken Wind flogen die Launcherdummies ziemlich weit. Das Gleiche wurde für Team zwei und dann für uns wiederholt. Nach Abschuss der sechs Markings durfte das Team 1 die erste Markierung im flachen Bewuchs arbeiten. Wir hatten das Pech, dass ‚unsere‘ Markierung vom Team 1 weg geholt wurde. Da ich zuvor in der Annahme gewesen bin, dass jedes Team das für sie geschossene Dummy holen mußte, stand ich, nachdem der zweite Hund das Dummy daneben holte, ein wenig dumm da, denn das hieß für mich, dass ich Pitch auf das erste Mark einweisen mußte. Dummerweise hatte er dies jedoch so gar nicht markiert, weil ich ihn voll auf unser Mark konzentriert hatte. Hieß im Klartext: auf ein 80m entferntes Vollblind einweisen, und ihn irgendwie an den zwei anderen Fallstellen weghändeln. Ich schickte ihn voran in den Bereich, und er ging natürlich zu den zwei zuvor gearbeiteten Fallstellen. Einen so jungen Hund in diesem engen Winkel schicken – das konnten wir definitiv noch nicht. Nun hätte ich ihn theoretisch nur stoppen müssen und seitlich schicken müssen, nur haben wir das ‚rüber‘ schicken noch nicht trainiert. Ich hab Blut und Wasser geschwitzt, weil ich ihn dementsprechend mit Back zum ersten Mark händeln mußte. Zwischendrin wurde er unsicher, kam wieder zurück, aber er war so artig und hat sich immer wieder Back schicken lassen. Dann hatte ich ihn in etwa im Bereich des Dummys und habe den Suchenpfiff gegeben, wohlwissend, dass er eigentlich noch zu weit weg ist. Ich wollte aber nicht riskieren, dass er wieder aus dem Bereich läuft und ich ihn nochmals stoppen und back schicken muß. Ich wußte aber auch, mit ein bißchen Glück kommt wieder mehr Wind (davon hatten wir reichlich), so dass er Witterung bekommen könnte. Mit dem Suchenpfiff drehte er jeden Grashalm um, kam dann wieder ein Stückchen näher auf uns zu. Einen Sitzpfiff wollte ich nicht nochmal riskieren, also stoppte ich den Suchenpfiff, woraufhin er wieder selbständig nach hinten ging. Wieder Suchenpfiff und dann kam eine Windböe, die ihm Witterung vom Dummy zutrug. Systematisch hat er sich rangearbeitet und mir ging das Herz auf. So schön hat er das gemacht! Als er das Dummy endlich hatte, gab es Applaus von den Zuschauern. Die Markierung in den hohen Bewuchs war dann kein großes Thema mehr – zum Glück hat er mir das Back-Schicken mit dem falschen Arm verziehen und doch noch den Eingang in den Wald gefunden. Braver Hund.

Nach dem Einweise-Krimi war das Gehorsamsfach mit Absetzen, Hundeführer entfernt sich, wartet und ruft dann auf Befehl den Hund ab und auf dem Rückweg fällt ein Schuss, eine reine pro forma Sache.

Ein wenig zittern mußte ich erneut bei der Nachsuche nach der warme Taube. Da auf Pitch in der Nachsuche bisher immer Verlaß gewesen ist, schickte ich ihn zur Suche in den Mais. Es dauerte ziemlich lange, dann tauchte er ohne Taube auf. Oh weh, damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, zumal die zwei Gespanne vor uns recht schnell gearbeitet hatten! Also Pitch gestoppt und wieder in den Mais geschickt. Der Wind war teilweise so stark, dass er keine Chance auf Witterung hatte. Als nächstes erblickte ich ihn im nächstliegenden hohen Gras, also wieder rangeholt, abgestoppt und Back geschickt. Er nahm auch das Kommando ohne zu zögern und kam endlich mit Taube zurück. Wir hatten bestanden!

Bei der Urkundenverteilung lobte die Richterin Pitchs Führigkeit und sprach von einer Zusammenarbeit d’armour.

Mein Fazit: Pitch hat sich so prima von mir führen lassen und mir 100% vertraut. Ich bin superstolz auf den Kleinen und kann mit Gewissheit behaupten, dass wenn er was verstanden hat, er es auch ausführt. An einigen Kleinigkeiten wie Stopp-Pfiff beim Reinpfeifen müssen wir in den nächsten Wochen feilen und auch das ‚Rüber‘  sollte demnächst unbedingt auf dem Trainingsplan stehen. Die Field Trials in Frankreich können dann kommen!

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One Comments to “Der Krimi – oder auch Épreuve B (Sélectif B) in Matzenheim”
  1. Sandra sagt:

    Hallo an alle,

    noch einmal herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Epreuve!!! Das habt ihr wirklich super gemacht!!!

    LG
    Sandra und Lou

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