Unsere erste Medaille

PrüfungenPublished November 9, 2011 at 09:14 No Comments

Laut Prüfungsordnung für die BLP/R ist das Einweisen die speziellste Form der Lenkbarkeit. Genau diese brauchte nicht nur Pitch am Morgen des 22. Oktober 2011, sondern zunächst einmal ich, als ich mir den Weg im dicksten Nebel mit Sichtweiten von unter 30m nach Balingen kämpfte. Mein Navi leistete mir gute Dienste, ich ließ mich führig einweisen und so kamen wir schließlich pünktlich am Treffpunkt an, wo in jagdlicher Gemütlichkeit sowohl das Richterteam als auch neun weitere, aufgeregte Teilnehmer auf uns warteten. Draußen knisterte das Feuer und an den Stellen, wo sich der Nebel lichtete, schien ein sonniger Oktobertag auf uns zu warten. Ein toller Start in den Prüfungstag! Wir stärkten uns mit Brezeln und Kaffee und brachen dann aufgeteilt in zwei Gruppen in beide Reviere auf. Unsere Gruppe musste noch eine gute halbe Stunde auf die Alb fahren, während die Gruppe um Richterin Monika Schönbach (DRC), Claudia Breitgoff (JGHV) und Udo Himmelmann (JGHV) direkt vor Ort bleiben konnte. Nach einer halben Stunde Fahrtzeit erwartete uns die erste Überraschung des Tages: es lag Schnee auf der Alb, nicht viel, aber im Nadelwald war durchaus der ein oder andere Schneefleck sichtbar und die Wiesen hatten dichten Raureif aufgelegt. Mir war warm genug, die Aufregung tut eben doch ihr Übrigens. Das Richterteam bestehend aus Günter Walkemeyer (DRC), Manfred Gruhler (JGHV) und Willi Tettmann (JGHV) begrüßte uns nochmals zur Prüfung und wies darauf hin, dass nach dem Aufnehmen des Stückes, dieses ohne weiteres Einwirken gebracht werden müsse, ansonsten wolle man führige und arbeitsfreudige Hunde sehen. Los ging es mit der Chipkontrolle sowie mit der Überprüfung der Schussfestigkeit, anschließend fuhren wir weiter in den Wald, wo es mit den Waldfächern los ging.

FREIE VERLORENSUCHE

Uns erwartete ein anspruchsvolles, steiles Suchengebiet im Hang. Dichte Brombeeren sowie Totholz inmitten von Nadelbäumen und Naturverjüngung. Genau richtig für uns! Mit der Startnummer eins gingen wir an diese erste Aufgabe. Ich konzentrierte Pitch auf dem Weg zur Aufgabe und schickte ihn dann in die Suche. Pitch fegte den Hang hinauf und begann mit dem Revieren. Schnell bekam er Witterung vom ersten Stück. Der Rückweg dauerte etwas, denn er mußte sich durch Brombeeren kämpfen, aber so schnell wie möglich war er wieder bei mir. Vorsitzen, abgeben, Ausrichten auf das zweite Stück: ‚Such‘ –  auch das zweite Stück war schnell gefunden und abgeliefert. Mein Adrenalinspiegel sank. Es ist immer gut, wenn die erste Aufgabe gut läuft und man merkt, dass der Hund gut drauf ist. Auch die anderen Teams meisterten das schwierige Gelände.

WALDSCHLEPPE

Es folgten die Waldschleppen in ähnlichen Bewuchs. Ich kann mir nicht helfen, aber ich bin jedes Mal nervös, wenn der Hund aus meinem Sichtbereich verschwindet und man nur erahnen kann was er gerade tut. Aber auf Pitch war auch hier Verlass. Er war schnell zurück und schaffte es sogar, rechtzeitig vor mir zu Bremsen (es ging hangabwärts), um vernünftig vorzusitzen.

Die Gehorsamsfächer standen gegen Mittag auf dem Programm. Mein persönliches Angstfach war die Ablage, denn im Training ist mein kleiner Mamahund durchaus das ein oder andere Mal zögernd einige Schritte nachgekommen, wenn ich außer Sicht verschwand. Aber an dem Tag wartete Pitch artig auf meine Rückkehr und auch die Freifolge verlief absolut vorbildlich. Beim Standtreiben führte ich Pitch unangeleint und er blieb artig sitzen, selbst als ich die Schüsse für das Nachbargespann abgab und ihn kurzfristig alleine sitzen lassen musste. Die anschließende Leinenführigkeit im Gebiet des zuvor abgehaltenen Treibens erledigten wir auch problemlos.

FELDSCHLEPPE

Noch ein letztes Mal tiefer Naseneinsatz war auf der Feldschleppe gefragt. Schwierig an der Sache war der ständig wechselnde Wind. Ich setzte mit Seitenwind an, auf einmal kam der Wind von vorne, dann drehte er doch wieder auf die andere Seite, aber die zwei Winkel lief Pitch problemlos. Der Richter meinte nach der Abgabe lediglich trocken: dieser Hund bremst ja nicht einmal ansatzweise beim Aufnehmen des Stückes ab. Der ist bereits in der Aufnahme auf dem Rückweg (dies erinnerte mich stark an Pitchs allerersten Kaninchenapport im Alter von 11 Monaten: Aufnehmen und im Flug umdrehen)

EINWEISEN

Dann ging es an die Königsdisziplin: das Einweisen. Kniehoher Bewuchs, teilweise auch höher wartete auf uns, inklusive Geländeübergänge. Teilweise konnte man den Hund im Gebiet nur erahnen. Das erste Stück hatte Pitch zügig, beim zweiten Stück brauchte er aufgrund eines Fehlers meinerseits ein wenig länger. Ich war mir unsicher, ob er bereits Witterung vom Stück hatte oder nicht. Da man keinerlei Kommandos mehr geben darf, wenn der Hund Witterung hat, war das eine Situation die nur eine kurze Sekunde dauerte und ich entschied mich gegen den Suchenpfiff. Was für ein Fehler, denn nun mußte ich händeln. Pitch erwies sich trotzdem als führig, befolgte brav meine Hilfen und fand schließlich.

WASSERARBEIT

Jetzt nur noch die Wasserarbeit. Wir fuhren zurück Revier nach Balingen-Ostdorf, wo die andere Gruppe bereits fast mit der Prüfung durch war. Los ging es mit der Schussfestigkeit am Wasser. Kein Problem für uns. Anschließend wechselten wir die Position und sollten den Hund auf eine Schilfinsel schicken. Au weia. Hatten wir doch zuvor immer nur geübt, dass der Schuss über den Hund abgegeben wird und anschließend direkt von dort aus wieder voran geschickt wird. Ich war gespannt, ob Pitch die alte Fallstelle ansteuern würde, oder sich anstandslos auf die Insel einweisen ließ. Meine Sorge war völlig unbegründet und ich jubelte innerlich, als er die ersten Meter gerade im Wasser voran schwamm. Schnell war er auf der Insel, nahm die Ente auf und kam auf dem schnellsten Wasserweg zurück. Wir hatten bestanden.

Eine fordernde, abwechslungsreiche und vor allem schöne Prüfung ging damit zu Ende. Als krönenden Abschluss durften wir als jüngster Hund den Suchensieg mit nach Hause nehmen. Damit hätte ich am Allerwenigsten gerechnet, denn das Niveau der teilnehmenden Hunde war unglaublich hoch und so verwundert es auch nicht, dass die ersten drei Plätze alle punktgleich abschnitten und der Suchensieger nach einem ebenfalls gleichen Punktstand im Fach Einweisen über das Alter vergeben wurde.

 

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